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Operative Maßnahmen bei Adipositas: „viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl nötig“



Wer an extremem Übergewicht leidet, zieht womöglich eine Operation in Betracht. Doch die Entscheidung sollte wohlüberlegt sein und alternative Maßnahmen gegen Adipositas bedacht werden. Dr. Beate Herbig von der Adipositas Klinik Hamburg Eilbek erklärt uns, was Patienten zu OPs als Behandlungsmöglichkeit bei extremer Adipositas wissen sollten.
Die Schön Klinik in Hamburg Eilbek ist Sitz der Adipositas Klinik.

Die Schön Klinik in Hamburg Eilbek ist Sitz der Adipositas Klinik.

Zur Info

Unsere Interviewpartnerin

Dr. med. Beate Herbig ist Fachärztin für Chirurgie und Viszeralchirurgie sowie Proktologin. An der Schön Klinik Hamburg Eilbek leitet sie als Chefärztin die Adipositas Klinik und legt ihre Schwerpunkte auf die Adipositas- und metabolische Chirurgie. Vom Verbrauchermagazin „Guter Rat“ wurde sie auf die Liste der besten Mediziner Deutschlands 2015 gesetzt und stand auf der Fokus Ärzteliste 2014 für Adipositas Chirurgie. Mit uns sprach sie über operative Maßnahmen bei extremem Übergewicht.

Die Klinik

Die Adipositas Klinik der Schön Klinik Hamburg Eilbek gehört zu den 10 Kliniken in Deutschland, die das Zertifikat "Referenzzentrum für Adipositaschirurgie" tragen, ein Gütesiegel, das von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) verliehen wurde. Mehr Informationen finden Sie auf der Webseite der Klinik.

Die Patienten, die Dr. Herbig und ihr Team in der Adipositas Klinik betreuen, haben meist schon einen langen Leidensweg hinter sich und suchen nach Hilfe, um ihr starkes Übergewicht zu verringern. Zwar stehen in der Adipositas Klinik Operationen für stark adipöse Patienten im Vordergrund, aber immer erst, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind.

Füße auf der Waage

Wer unter extremem Übergewicht und seinen Folgeerkrankungen leidet, denkt womöglich über eine OP nach.

Behandlung in der Adipositas Klinik: Beschwerden und Krankheitsbilder

Bei vielen Patienten, die in die Schön Klinik kommen, spielen Erkrankungen, die durch das starke Übergewicht verursacht oder zumindest verstärkt werden, eine Rolle:

Bluthochdruck, Schlafapnoe, Lebererkrankungen, Gelenk- und Rückenprobleme, Gicht oder Fettstoffwechselstörungen“, zählt Dr. Herbig auf. „Junge Frauen leiden gelegentlich allein durch ihr hohes Gewicht an Unfruchtbarkeit, die bei Gewichtsverminderung wieder verschwindet.

Der Diabetes mellitus nimmt der Spezialistin zufolge eine besondere Stellung ein. Wird die sogenannte Zuckerkrankheit durch Übergewicht ausgelöst, „haben vor allem Patienten mit Insulinbehandlung kaum eine Chance, ohne Operation ihr Gewicht zu vermindern“, erklärt Dr. Herbig.

„Die von uns heute angebotenen Operationen helfen nicht nur beim Abnehmen, sondern beseitigen oder verringern in den meisten Fällen die Diabetes-Erkrankung.“

Wie werden die Patienten eigentlich auf die Klinik Hamburg Eilbek aufmerksam?

Die Patienten der Klinik beschäftigen sich meist schon sehr lange mit der Möglichkeit einer Operation, um die Adipositas in den Griff zu bekommen.

Informationen sammeln viele zunächst im Internet: „Viele finden so den Weg in unsere Klinik“, so Dr. Herbig, „andere erfahren über Freunde oder Verwandte von uns. Zunehmend raten Hausärzte und Diabetologen ihren Patienten, sich an uns zu wenden.“

Für den ausgezeichneten Ruf der Schön Klinik Hamburg Eilbek spricht, dass inzwischen auch Krankenkassen die Adipositas Klinik als Anlaufstelle empfehlen. Dr. Herbig empfindet das als einen „besonderen Ritterschlag“.

Maßnahmen zur Adipositas-Behandlung in der Klinik Hamburg Eilbek

„Wir bieten alle heute gängigen Operationen zur Verringerung des Übergewichtes und zur Verbesserung des Gesundheitszustandes an“, so die Chefärztin.

Da ihre Klinik zu den zehn Referenzzentren für Adipositas-Chirurgie in Deutschland gehört, ist ihr Chirurgen-Team sehr erfahren „mit allen Operationen, aber auch mit Zweiteingriffen und komplexen Problemsituationen.“

Alternativen zur OP

Dennoch wird neuen Patienten nicht vorschnell ein operativer Eingriff empfohlen, betont Dr. Herbig: „Vor einer Operation steht immer ein mehrmonatiger Versuch, das Gewicht etwa durch Bewegung und eine Ernährungsumstellung zu verringern oder zumindest zu stabilisieren.“

Wie erfolgreich sind solche Maßnahmen?

„Gelegentlich gibt es Patienten, die in der Vorbereitungsphase stark abnehmen. Dann freuen wir uns natürlich mit ihnen und ermutigen sie, diesen begonnenen Weg fortzusetzen“, erklärt Dr. Herbig, fügt aber gleich hinzu: „Die Realität ist allerdings, dass die meisten dann doch nach einer gewissen Zeit wieder zu uns kommen, weil sie erneut zugenommen haben.“

Sportgruppe mit Übergewichtigen

Manchen Patienten gelingt es, durch Sport und eine Ernährungsumstellung stark abzunehmen.

Vor der OP: Abwägen des Für und Wider

„Jeder Patient, der sich operieren lassen möchte, stellt sich unseren Psychologen vor. Dabei wird in einem entspannten Gespräch geklärt, ob es möglicherweise ernsthafte Gründe gegen eine Operation gibt oder ob zunächst eine psychotherapeutische Behandlung (z.B. bei einer schweren Essstörung) hilfreich sein kann.“

Ist letzteres der Fall, finden Patienten unter anderem in der Klinik Bad Bramstedt bei Dr. Balling und seinen Kollegen die richtige Anlaufstelle. Hier lesen Sie unser Interview mit Dr. Alexander Balling.

Operationen bei Adipositas

Wenn Sport & Co. nicht mehr helfen, ist eine Operation oft der letzte Ausweg für sehr adipöse Patienten. Wir wollten von Frau Dr. Herbig wissen, nach welchen Kriterien sie und ihr Team entscheiden, ob eine OP nötig ist.

„Zunächst einmal muss ein Betroffener selbst den unbedingten Wunsch nach einer Behandlung durch eine Operation haben“, stellt Dr. Herbig klar. „Die ärztliche Entscheidung richtet sich dann nach klaren Kriterien, die international festgelegt sind: Eine Operation zur Behandlung von Adipositas und ihren Folgeerkrankungen ist möglich ab einem BMI (Body Mass Index) von 40, bei Diabetikern von 35.“

Maßband, Apfel und BMI

Der BMI (Body Mass Index) entscheidet, wann eine Adipositas OP möglich ist.

Genehmigung durch die Krankenkasse

Zu einer Operation kommt es jedoch nicht von heute auf morgen: „In Deutschland muss noch immer jede Adipositas-Operation von der Krankenkasse einzeln genehmigt werden. Die Zusage wird in der Regel erst erteilt, nachdem ein Programm aus Sport und Ernährungstherapie über mindestens 6 Monate absolviert wurde.“

Magenbypass, Schlauchmagen, Magenband: Individueller Rat ist nötig

Für Laien steht hinter den Namen der gängigen Operationsverfahren bei Adipositas ein großes Fragezeichen. Was genau wird da gemacht? Auf den Seiten der Schön Kliniken finden Sie einen Überblick über die unterschiedlichen chirurgischen Eingriffe von Schlauchmagen bis Magenband.

Welcher Eingriff für welchen Patienten richtig ist, wollten wir von unserer Interview-Partnerin wissen:

„Das kann man bis heute wissenschaftlich nicht eindeutig entscheiden“, erklärt Dr. Herbig. „Hier sind viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl nötig, um dem Einzelnen einen guten Rat zu geben.“

Hände mit Operationshandschuhen und Besteck

Welche Art der Magenoperation geeignet ist, stellen die Ärzte im Vorfeld  individuell fest.

Dennoch gibt es einige medizinische Anhaltspunkte:

Schlauchmagen:

  • „Wer sich nicht in der Lage sieht, regelmäßig Vitamine einzunehmen, sollte sich besser für einen Schlauchmagen entscheiden.“
  • „Auch wer bestimmte Medikamente wie Cortison benötigt oder chronische Darmerkrankungen hat, sollte besser einen Schlauchmagen erhalten.“

Magenbypass:

Diabetiker profitieren langfristig mehr von einem Magenbypass als von einem Schlauchmagen.“

Magenband:

„Magenbänder werden in Europa nur noch in begründeten Einzelfällen eingesetzt, weil die Lebensqualität mit den anderen Operationen besser ist. Außerdem sind die Langzeitprobleme bei Magenbändern doch recht zahlreich. So lassen jedes Jahr bei uns zahlreiche Patienten ihr Magenband entfernen und in eine andere Operation umwandeln.“

Außerdem betont die Spezialistin, dass mögliche Voroperationen im Bauchraum bei der Entscheidung eine Rolle spielen. Doch letztlich sei der Patientenwunsch maßgeblich, „denn der Operierte muss sich mit seinem Bypass oder Schlauchmagen ein ganzes Leben lang wohlfühlen“.

Hilfreich:
Eine FAQ-Liste zu gängigen Fragen bei Adipositas-Operationen stellt die Klinik hier zur Verfügung.

Ängste nehmen

Das Team der Adipositas Klinik weiß um die Ängste, die Patienten vor einem chirurgischen Eingriff begleiten. „Ausreichende und vor allem verständliche Informationen, Zuwendung zum Patienten und ausführliche Gespräche – darauf legt man in Hamburg Eilbek großen Wert.

Eine weitere gute Möglichkeit, sich zu informieren und Rat zu holen, sind Selbsthilfegruppen und Internetforen oder -chats, in denen Patienten Unterstützung durch andere Betroffene finden.

freundliche Ärztin im Patientengespräch

Ausführliche Gespräche zwischen Patient und Arzt sind wichtig, um Ängste zu nehmen.

Und was, wenn ich keine Operation will?

Dr. Herbig rät ganz klar: Lassen Sie sich von niemandem überreden oder drängen – die Entscheidung zu einer möglichen Operation muss ganz in Ruhe reifen und dann auch die eigene Überzeugung widerspiegeln!“

Die meisten ihrer Patienten dächten jedoch bereits seit Jahren über eine Operation nach, bis sie schließlich den Weg in die Klinik finden, um sich beraten zu lassen. In der Adipositas Klinik erfahren Patienten, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und ob ihre Sorgen berechtigt sind.

Allen, die einer Operation grundsätzlich aufgeschlossen gegenüberstehen oder mit dem Gedanken spielen, empfiehlt Dr. Herbig, sich an eine gute Adipositas Klinik zu wenden und Rat einzuholen.

Auch nach den sechs Monaten vor dem chirurgischen Eingriff haben die Patienten die Möglichkeit, sich gegen die OP zu entscheiden:

„Manche unserer Patienten nehmen in der Vorbereitungszeit gut ab und nehmen von einer Operation dann erst einmal Abstand. Das ist völlig selbstverständlich“, so die Ärztin. „Wenn das Gewicht dann wieder ansteigen sollte, sind wir immer für unsere Patienten da – mancher kommt erst nach Jahren.“

Vorbereitung auf die Operation

Auf die Operation bereitet sich jeder Patient ein halbes Jahr lang vor: eine regelmäßige Ernährungstherapie und sportliche Aktivitäten wie Reha-Sport stehen auf dem Programm der Adipositas Klinik.

„Dabei werden nicht nur andere Essens- und Verhaltensweisen erlernt und die körperliche Fitness gestärkt, sondern es ergeben sich genügend Möglichkeiten, sich mit bereits Operierten auszutauschen und die innere Entscheidung zu einer Operation zu festigen“, sagt Dr. Herbig. „Wir laden jeden Interessenten zu einem Patientenseminar ein, auf dem wir alle wichtigen Fragen beantworten und damit viel Halbwissen beseitigen und Ängste nehmen können.“

Magen mit symbolischem Gürtel

Den Gürtel enger schnallen mit einem Magenband: Dies ist nur eine OP-Methode.

Magen-OPs im Überblick: Pro und Contra

Magenbypass:

Weltweit die am häufigsten durchgeführte Adipositas-OP. Im chirurgischen Eingriff wird der Magen in eine kleine Magentasche und einen größeren, funktionstüchtigen Restmagen geteilt. Der Dünndarm wird umgeleitet, damit Nahrung und Verdauungssäfte erst nach einer längeren Darmstrecke zueinander kommen.

Pro:

  • Geringere Nahrungs- und Kalorienaufnahme
  • Schnelles und langanhaltendes Sättigungsgefühl
  • Verlust des Übergewichts: im Durchschnitt ca. 60 – 70%
  • Langfristig bester Gewichtsverlust und die beste Verringerung von Folgeerkrankungen
  • Besonders sinnvoll ab BMI 45 bzw. bei Diabetikern

Contra:

  • Verminderte Nährstoffverwertung: lebenslange Ergänzung mit Vitaminen nötig
  • Magenspiegelung nicht mehr durchführbar

Schlauchmagen:

Ein großer Teil des Magens wird operativ entfernt, sodass lediglich ein schlauchförm ger Restmagen übrig bleibt.

Pro:

  • Geringere Nahrungsaufnahme
  • Verlust des Übergewichts: im Durchschnitt ca. 60 – 70%
  • Schnelle Sättigung, seltener Heißhungerattacken und Hungergefühl
  • Normaler Verdauungsprozess bleibt erhalten

Contra:

  • Ausweitung des Schlauches nach 3-5 Jahren mit Wiederanstieg des Gewichtes möglich
  • Gelegentlich erhebliche Beschwerden durch Sodbrennen

Verstellbares Magenband:

In Europa nur noch selten durchgeführt. Um den oberen Teil des Magens wird ein verstellbares Magenband aus Silikon gelegt. Vom oberen Teil des Magens gelangt Nahrung langsam in den unteren Teil.

Pro:

  • Geringere Nahrungsaufnahme und schnelle, langanhaltende Sättigung
  • Magenband wird individuell angepasst und ist verstellbar
  • Verlust des Übergewichts: im Durchschnitt ca. 40-50%
  • Entfernung jederzeit möglich

Contra:

  • Umfassende Ernährungsumstellung nötig: viele feste Lebensmittel werden nicht mehr vertragen
  • Umgang mit neuem Sättigungsgefühl muss erlernt werden
  • Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen sowie langfristige Komplikationen möglich
  • Seltene Komplikationen: Durchrutschen des Magens, Verrutschen des Bandes oder Magendurchbohrung.

Schnell wieder auf den Beinen

Adipositas-Magenoperationen werden heute fast immer in der sogenannten Schlüssellochtechnik durchgeführt.

„Diese schonende Operationsart ermöglicht, dass Patienten nach einer doch umfangreichen Magenoperation bereits am nächsten Tag wieder herumlaufen können. Unsere Patienten verlassen in der Regel am 3. Tag nach einer solchen Operation die Klinik, erklärt Dr. Herbig.

Ärzte im OP

Bei der OP kommt meist die schonende Schlüssellochtechnik zum Einsatz.

Nachsorge und Rückkehr in den Alltag

Nach der erfolgten Magenverkleinerung müssen Patienten sich wieder in ihrem Alltag zurechtfinden. Wir haben Frau Dr. Herbig gefragt, was es dabei zu beachten gibt und worauf Patienten achten sollten.

„Eine Adipositas Operation macht stark Übergewichtige nicht automatisch gertenschlank. Disziplin, sportliche Betätigung und die Auswahl der richtigen Lebensmittel sind sehr wichtig“, mahnt sie. „Außerdem müssen Patienten nach einer Operation zusätzlich Vitamine und Mineralien zu sich nehmen – ein Leben lang!“

Vitaminpräparate

Die Einnahme von ergänzenden Vitaminpräparaten ist nach einer Magen-OP lebenslang nötig.

Nach der Operation – zurück zum normalen Alltag:

Sport machen: „Sport ist erlaubt, sobald es die Schmerzen in der Bauchdecken erlauben.“

Arbeiten: „Die Rückkehr zur Arbeit hängt davon ab, ob einer anstrengenden körperlichen oder eher einer sitzenden Tätigkeit nachgegangen wird.“

Essen: „Das Essen muss man ganz langsam und schrittweise neu erlernen. Zunächst gibt es für zwei Wochen nur flüssig-pürierte Speisen in kleinsten Mengen. Danach wird die Ernährung in kleinen Schritten normalisiert, wobei aber die Portionen klein bleiben müssen.“

Gerade was das Essen betrifft, rät die Ärztin zur Vorsicht. „Ein Operierter sollte nie versuchen, ‚auszutesten‘, welche Mengen möglicherweise verdrückt werden können. Übelkeit und Erbrechen sind die raschen Folgen, die Ausweitung der Magentasche oder des Schlauchmagens die langfristigen Gefahren.“

Die richtige Adipositas-Behandlung, ob eine Operation oder ein alternatives Programm aus Sport und einer gründlichen Ernährungsumstellung, kann schwer Übergewichtigen wieder zu mehr Lebensqualität verhelfen. Wenn Sie über eine Magenoperation oder andere Behandlungsmöglichkeiten bei Adipositas nachdenken, suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Arzt und informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse sowie im Internet.

Hier finden Sie hilfreiche Links:

Wir bedanken uns bei unserer Interviewpartnerin sehr herzlich für ihre ausführlichen Auskünfte.

Bilder:

Klinikfoto, Porträt Dr. Herbig: Schön Klinik Hamburg Eilbek; ©iStock/ abadonian; ©iStock/ monkeybusinessimages; © iStock / designer491; © iStock / Remains; © iStock / claudiobaba; © iStock / EduardHarkonen; © iStock / Dutko; © iStock / Catalin205