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Die atmungsaktive Jacke – Funktion oder Fiktion?



Immer wieder werden wir mit dem Thema "Atmungsaktivität" konfrontiert. Was kann der man von einer atmungsaktiven Jacke erwarten?

Kundengespräch zum Thema Jacke in unserem Store in Oberasbach bei Nürnberg:

Kunde: "Ich suche eine atmungsaktive Jacke...."
Kollegin im Store: "Haben Sie denn sonst noch eine Vorstellung, also wie die Jacke aussehen soll, Farbe oder so... und vom Schnitt?"
Kunde: "Ja, winddicht, wasserdicht mit verschweißten Nähren bitte - und schwarz!"

Atmungsaktive Jacken

 

Wenn wir nun die Attribute "wind- und wasserdicht mit verschweißten Nähten" betrachten, so steht fest: da handelt es sich wohl um eine Jacke, die luftdicht abgeschlossen ist. Wäre da nicht der Wunsch nach "atmungsaktiv". Wie soll denn sowas gehen? Kein Wasser rein, keine Luft rein, aber warme Luft (Schweiß) raus? Membran lautet das Zauberwort. Es geht um den Abgang von Wasserdampf, den warmen Schweiß, durch die Außenhaut der Jacke. Einfach dargestellt funktioniert eine Membran wie ein Drehkreuz im Freibad: raus ja, aber nicht rein. Hört sich super an. Aber atmungsaktive Jacken haben auch ihre Grenzen.

Atmungsaktive Jacke und trotzdem schwitzen

Die Membran einer guten atmungsaktiven Outdoorjacke kann bei optimalen Bedingungen rund 5000 Gramm Dampf pro 24 Stunden und Quadratmeter Gewebe abgeben, also circa 200 Gramm pro Stunde und Quadratmeter. Bei körperlicher Anstrengung sondert ein Mensch mit normaler Statur aber schon bis zu zwei Liter Schweiß pro Stunde ab. Außerdem verliert die Membran bei wärmeren Temperaturen mehr und mehr an Wirkung, und zwar nicht erst bei Temperaturen, bei denen Sie sowieso keine Jacke mehr tragen, sondern bereits ab 10 bis 12 Grad.

Werfen Sie sich als 6XL-Typ mal in die Liegestützposition und machen Sie innerhalb einer Minute 30 Push-ups in der atmungsaktiven Jacke. Das Ergebnis: In kurzer Zeit werden Sie relativ schnell viel schwitzen. Die dabei auftretende Menge Wasserdampf (= Schweiß) wird keine atmungsaktive Jacke so schnell abgeben können. Nun werden Sie im Alltag wohl eher selten spontan mal 30 Liegestützen in einer Jacke machen, also vergleichen wir die Situation besser mit einem Einkaufsbummel in der Stadt: kalte Luft draußen bei geschlossener Jacke, rein in geheizte Kaufhäuser, sodass Sie die Jacke schnell aufmachen, hinzu kommt permanentes Laufen und dabei Tüten tragen, Treppen steigen, im Aufzug gedrängt stehen, und so weiter... Das Ergebnis: Sie werden schwitzen und den Schweiß auch spüren, denn so schnell kommt die Membran der Jacke einfach nicht mit. Aber wollen wir mal ehrlich sein: es heißt ja auch nicht "Antischwitz-Jacke". Auf der anderen Seite kann man auch keinem Menschen böse sein, wenn er den Verlockungen ausgeklügelter Werbekampagnen erliegt. Man sollte sich nur von dem Gedanken verabschieden, in einer atmungsaktiven Jacke nicht zu schwitzen.

Baumwollbekleidung kontra Atmungsaktivität

In den werbenden Texten findet der interessierte Leser Aussagen wie "Die Membran transportiert den Schweiß weg von der Haut auf die Außenseite der Jacke". Wenn man den Satz mal genauer betrachtet so fällt einem auf, dass der Schweiß wohl ohne Unterbrechung auf direktem Weg mit dem Jackenmaterial in Berührung kommt. Eine Frage sei an dieser Stelle gestattet: Sind Sie unter der Jacke nackt?

Der Schweiß entsteht auf Ihrer Haut und dort verdampft er. Statt aber den direkten Weg zum Material der Jacke zu nehmen, kommt er mit einem Unterhemd und einem Oberhemd oder einem Unterziehshirt mit Pullover in Kontakt. An dieser Stelle bleibt der Schweiß hängen. Das Ergebnis kennen wir alle: herrlich klebende Shirts auf der Haut. Und die atmungsaktive Jacke schaut nur zu! Wenn Sie nun als Jünger der Atmungsaktivität alles richtig machen möchten, so müssten Sie auch ein atmungsaktives Unter- und Oberhemd tragen. Das ist im Alltag jedoch selten – oder sagen wir eher nie – der Fall. Wir mögen Baumwolle auf der Haut. Und diese Baumwolle fängt nunmal den Schweiß auf dem Weg zur Jacke ab.

Die Lebensdauer einer Membran – Pflegetipps

Die Membran einer Jacke ist extrem sensibel. Neben den Einfüssen aus der Umwelt sind Waschmittel und besonders Weichspüler der größte Feind der angestrebten Funktionalität. Egal wie viel Geld Sie in ein hoch lösliches Markenwaschmittel investieren: Rückstände bleiben in der Membran kleben und hemmen die Funktion der Membrane. Und noch viel schlimmer ist ein Weichspüler. "Hmmm, jetzt duftet meine Winterjacke aber schön nach Frühling!" Glückwunsch, mit dem Blütenzauber des kommenden Sommers haben Sie soeben die Membran Ihrer Jacke geschädigt. Daher an dieser Stelle ein ganz klarer Hinweis: niemals eine Nylonjacke (oder andere Nylonprodukte wie T-Shirts, Sporthosen, usw.) mit Weichspüler waschen. Und der Vollständigkeit halber: keinen Trockner benutzen.

Benutzen Sie für Nylonprodukte das Waschmittel unter der vom Hersteller des Waschmittels empfohlenen Menge – das reicht. Waschen Sie dann Ihre Jacke "auf links", schließen Sie dabei den Reißverschluss und achten Sie darauf, das alle Klettverschlüsse geschlossen sind. Legen Sie die Jacke dann in einen Raum mit normaler Temperatur, um Sie dort trocknen zu lassen. Die Membran sowie die allgemeine Lebensdauer Ihrer Jacke werden es Ihnen danken.

Und jetzt - nie mehr "atmungsaktiv" kaufen?

Nun wollen wir den Mythos nicht ganz zerstören. Eine atmungsaktive Membran in einer Jacke ist schon toll, aber das sollte nicht das einzige Kriterium bei der Kaufentscheidung sein. Gehen wir die Sache doch einfach mal nüchtern an: Was ich nicht tragen muss, das muss der Körper nicht an Kraft aufwenden. So sollte aus unserer Sicht das Gewicht einer Jacke das erste Kriterium beim Kauf sein. Hochwertige Wattierungen erzeugen auch bei einem sehr geringen Gewicht eine gute Isolierung und schützen so vor Wind und Kälte. Solche Wattierungen, die oft dünn anmuten, sind natürlich nicht so leicht zu erkennen. Ist die Jacke jetzt mit einer einfachen dünnen Polyesterwatte gefüttert oder hochwertig ausgestattet und dadurch leicht?  Eine gute Wattierung ist –ungeachtet ihrer Qualität – erstmal gleichmäßig auf der Jackenfläche verarbeitet. Das heißt die Wattierung verrutscht nicht und ist auch nicht an einer Stelle dicker als an einer anderen Stelle.

Wichtig für die Einschätzung des Futters ist noch seine "Elastizität". Jede Wattierung lebt von den Luftpolsterchen in der Watte. Umarmen und knuddeln Sie die Jacke mal kräftig. Kommt die Form der Jacke schnell wieder zurück, so dehnt sich die gestauchte Watte schnell wieder aus und bildet damit wieder die für die Isolation wichtigen Luftpolster. Last, but not least: Markenwattierungen! Hersteller, die beim Futter der Jacke auf Materialien von Markenherstellern wie zum Beispiel PrimaLoft setzen, zeichnen dies an der Jacke im Normalfall auch aus. Aber Achtung: auch No-Name-Futter können sehr überzeugende Eigenschaften haben. Und bei Jacken ohne Futter, wie zum Beispiel einer Regen- oder Softshelljacke, übernimmt das Außenmaterial die Aufgabe der Atmungsaktivität.

Die richtige Jacke für den jeweiligen Zweck

Entscheidend ist, was Sie von einer Jacke erwarten und welchen Zweck sie erfüllen soll. Nachfolgend gehen wir auf vier Jackentypen und ihre Eigenschaften ein. Wir unterstellen dabei Merkmale, wie Sie sie bei einer Jacke im mittleren Preissegment erwarten können. 

Die Outdoorjacke - auch für den Sport

Die Aufgabe einer Jacke für den leichten Ausdauersport oder die Radtour ist es, den geschwitzten Körper vor Wind und Regen zu schützen, aber auch zeitgleich die entstandene Wärme durch die Außenhaut abzuführen. Sie sollten beim Kauf auf Attribute wie "winddicht" und "atmungsaktiv" achten. "Wasserabweisend" ist bei so einer Jacke meist schon ausreichend. "Wasserdicht" wäre für den Outdoorfan wichtig, der bei jedem Wetter raus will oder muss. Neben einer speziellen Jacke für den Radfahrer empfehlen wir hier Softshelljacken. Diese sind im Normalfall recht leicht, schützen vor Wind und sind im Alltag bei Temperaturen ab 5 Grad mit leichtem Regen ein kleidsamer sowie praktischer und pflegeleichter Begleiter. Qualitativ hochwertige Softshelljacken in großen Größen finden Sie im Handel ab 90,00 Euro.

Grosse Groessen Softshelljacke

Für die Skifahrer und Wintersportler empfehlen wir natürlich eine Jacke mit Futter. Diese sollte mindestens eine 5000 mm Wassersäule haben und natürlich "wasserdicht" sein. Außerdem sollte man bei der Kaufentscheidung auf die Länge der Jacke achten. Zu lange Jacken nehmen die notwendige Bewegungsfreiheit beim Wandern, Radeln oder Skifahren.

 

Die ideale Winterjacke für jeden Tag

Winterzeit ist Jackenzeit. Winterzeit ist aber nicht immer minus 20 Grad und Schnee bis Oberkante Unterlippe. Was sollte man also von der idealen Alltagsjacke im Winter erwarten können? Für uns ist die Definition ganz einfach: zwei Grad und leichter Schneefall, stehend auf dem Weihnachtsmarkt oder beim Shopping in der Stadt und sich wohlfühlen. Eine Winterjacke sollte als erstes leicht sein. Wie oben schon beschrieben: was Sie nicht tragen müssen, das muss der Körper auch nicht als Arbeit leisten. Und natürlich ist eine hochwertige und funktionelle Wattierung hier das Must-have. Diese sollte die Atmungsaktivität der Außenhaut unterstützen und Temperaturschwankungen wie "rein ins Kaufhaus und raus aus dem Kaufhaus" gut ausgleichen können. Außerdem sollte, gerade in großen Größen, die Wattierung nicht zu dick und dicht sein. Sie schränkt sonst die Bewegungsfreiheit ein und ist unbequem beim Sitzen. Bei einer Jacke für den Alltag reicht durchaus auch wieder eine "wasserabweisende" Eigenschaft im Obermaterial. Eine Ausnahme davon sind jedoch wieder die Personen, die beruflich oder zum Beispiel mit dem Hund, bei jedem Wetter raus müssen – diese sollten auf eine wasserdichte Jacke zurückgreifen. Gerne werden in Übergrößen die Jacken etwas größer gekauft, denn "darin hab ich Platz und kann mich gut bewegen". Das sind durchaus nachvollziehbare Gründe, aber bitte beachten Sie: Ist eine Jack zu weit, so kann die Luft zwischen Körper und Jacke ihrer isolierenden Funktion nicht nachkommen. Das Ergebnis: Es könnte Ihnen kalt werden. Fassen wir also zusammen: Für den Alltag in der kalten Jahreszeit empfehlen wir eine leichte, atmungsaktive sowie winddichte Jacke. Achten Sie bei Ihrer Wahl auf einen guten Sitz und hochwertige Wattierung. Jacken in dieser Art finden Sie bereits ab 150 Euro im Handel. 

Die modisch-elegante Jacke als Highlight

Bei einer Outdoorjacke oder Ihrer Jacke für den Alltag sprachen wir in erster Linie von Funktionsjacken. Aber jetzt soll es mal topmodisch werden. Was darf es denn sein - ein eleganter langer Mantel aus Baumwolle oder eine coole Lederjacke? Das sind zwar modische Highlights, die aber in fast allen Fällen in puncto Funktionalität mit Jacken mit Polyamid als Außenhaut nicht mithalten können. Natürlich hält ein Wollmantel für gewisse Zeit warm, aber er erreicht final nie die Eigenschaften "atmungsaktiv", "winddicht" und "wasserabweisend", geschweige denn "wasserdicht". Auch bringt so mancher modischer Aspekt seine Probleme mit sich. Aktuell angepriesen sind Steppjacken. Wie der Name schon sagt wird das Muster durch eine Steppung, also einen Stich mit der Nadel durch die Außenhaut der Jacke, erzeugt. Daraus ergeben sich viele kleine Löcher an den Armen sowie im Rücken- und Bauch-/Brustbereich. Und diese Löcher bieten Angriffsfläche für Wind und Wasser. Natürlich gibt es auch Hersteller, die diese Nähte von innen mit einem Tape überziehen und so Wasser und Wind entgegen arbeiten. Bei der breiten Masse an Jacken ist dies aus Preisgründen jedoch nicht der Fall.
 

Die Spezialisten unter den Jacken

Auf dem Deich an der Nordsee oder abends im Campingstuhl beim Pfingsturlaub: Fleecejacken und Fleecewesten halten schön warm. Entsprechend erfreuen sie sich bei windigem, aber trockenen Wetter großer Beliebtheit. Bei Regen sind sie jedoch nicht der passende Begleiter. Ein anderer Spezialist ist die Regenjacke: 12 Grad, es schüttet wie aus Eimern, aber Sie bleiben trocken. Vergessen sollten wir an dieser Stelle auch nicht die Jacken aus dem Bereich der Arbeitsbekleidung: Robustes Obermaterial, viele Taschen und reflektierende Einsätze sind hier die wesentlichen Merkmale.  


Nehmen Sie sich die Zeit die Jacke zu entdecken - wo hat sie Taschen, gibt es Kordelzüge zur Optimierung der Passform, wie ist der Griff des Materials, usw. Und: setzen Sie sich in der Jacke einmal hin. Beim Sitzen geht den Oberkörper in die Breite. So können Sie feststellen "sitze ich auch mit Jacke bequem im Auto oder Bus?" Egal für welche Jacke Sie sich entscheiden, das wichtigste Merkmal an einer Jacke ist das "Wohlfühl-Gefühl". Und dieses Gefühl sollte nicht von den Aspekten Atmungsaktivität oder "wind- und wasserdicht" abhängen. 

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