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Große Größen bei Herren – 8 Antworten auf acht Fragen im Wirrwarr um die Konfektionsgrößen



Kleidergrößen sind eine Wissenschaft für sich. Sie sollen Orientierung geben – stiften aber auch bei den Übergrößen Verwirrung. Sogar bei den Herstellern variieren die Größen. Warum ist das so, wo doch in der EU inzwischen vom Leuchtmittel bis zur Gurkenkrümmung alles normiert ist? Um diese und weitere Größenrätsel aufzuklären, haben wir mit einem gesprochen, der es wissen muss: Uwe Seeger, Gastdozent an der Textilfachhochschule Nagold und Experte für Kleidergrößen.

Übergrößen Herrenmode

Kleidergrößen – eine Wissenschaft für sich

Konfektionsgrößen helfen uns, schnell die vermeintlich passenden Klamotten zu finden. Doch tatsächlich öffnet sich hier ein weites Feld. So gibt es normale Größen, untersetzte Größen, Bauchgrößen, Hemdgrößen, Wäschegrößen, deutsche Größenbezeichnungen oder internationale Größenbezeichnungen. Hier den Überblick zu behalten, ist gar nicht so einfach.

Zusätzlich erschwert wird das bei Übergrößen dadurch, dass die Industrie hier immer noch hinterher hängt. Während es bei Normalgrößen Standardwerte gibt, die durch repräsentative Vermessungen ermittelt wurden, fehlen vergleichbare Studien bei großen Größen noch weitgehend. So unterscheiden sich die tatsächlichen Maße hinter den Angaben wie 4XL noch deutlich häufiger bei unterschiedlichen Herstellern. Da die Modebranche Plus-Size für sich entdeckt hat, dürfte sich das aber bald ändern.

Uwe Seeger, der an der LDT Nagold Akademie für Modemanagement als Dozent lehrt, hat mit uns über die Konfektionsgröße, ihre Ermittlung und die Unterschiede bei den Herstellern gesprochen.

Übergrößen in der Herrenkonfektion:

  • Normale Größen: ab Gr. 56 (58,60,62,64,66….)
  • Untersetzte Größen: ab Gr. 28 (29,30,31,32,33,34,…)
  • Bauchgrößen: ab Gr. 55 (57,59,61,63,65,…)
  • Hemdgrößen: ab Halsweite 47 (48,49,50,51,52,…)
  • Wäschegrößen: ab 8 (9,10,12,14,…)

Vermessen: Woraus ergibt sich die deutsche Konfektionsgröße bei Männern?

Uwe Seeger: „Die deutschen Konfektionsgrößen hatten Ihren Ursprung auf Oberteile gelegt. Die Größenbezeichnung entspricht immer der Oberweite, also dem Brustumfang.“

Derzeit werden die Konfektionsgrößen in der Regel nach folgender Formel angegeben:

Brustumfang x 0,5 = Konfektionsgröße

Bei einem Brustumfang von 120 cm gilt für Männer:

120 cm x 0,5 =Konfektionsgröße 60.

Nach US-Größen entspricht das wiederum 3XL.

Diese Festlegung ist aber nicht verbindlich, so dass die Konfektionsgrößen von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich sein können. Wir bei bigtex weisen darauf hin, wenn bei einem Hersteller die Kleidungsstücke anders ausfallen. So geraten die Artikel der Hersteller Ahorn Sportswear, Dave´s und Adamo Fashionetwa eine Größe größer.

Welche Körpermaße werden bei der Ermittlung der Größen berücksichtigt?

Uwe Seeger: „Bei den Konfektionsgrößen (Normale, Untersetzte oder Bauchgrößen) ist das immer die Oberweite, also der Brustumfang. Aber auch die Längenmaße wie die Körpergröße wirken auf die Kleidergröße ein.

Bei den Hemden wird die Halsweite angegeben – entweder in Zentimetern oder in Inch/Zoll.

Vermessung Halsumfang - iStock Gewitterkind

Bei Hemden ist die Halsweite ausschlaggebend © iStock.com/Gewitterkind

Wie unterscheiden sich untersetzte Größen und Bauchgrößen von Normalgrößen?

Konfektionsgrößen beruhen auf den tatsächlichen Maßen von Menschen, die in Reihenmessungen ermittelt worden sind. Dabei werden häufig vorkommende Verhältnisse ermittelt. Bestimmte Brustumfänge werden dann Taillenweiten und Körpergrößen zugeordnet – so wie sie im Durchschnitt häufig zusammen vorkommen. Die Kleidung wird also für fiktive “Durchschnittsmenschen” ermittelt.

Bei Herren werden anhand dieser Statistiken bestimmte Körpergrößen zu diesen Oberweiten festgelegt. Bei der untersetzten Größe werden zu einem bestimmten Brustumfang kleinere Körperlängen angenommen als bei der Normalgröße. Außerdem gibt es für Herren, die eine große Bundweite haben, sogenannte Bauchgrößen. Männer, die die Hose lieber unter dem Bauch tragen, brauchen dagegen keine Bauchgrößen.

Wie werden Hosengrößen angegeben?

Unbequeme Hose iStock PeJo29

Damit die Hose richtig passt, müssen Sie Ihre Bundweite und Ihre Hosenbeininnenlänge kennen © iStock.com/Pejo29

Uwe Seeger: „Die Inch-Größen wie 44/32 sind Hosengrößen und ergeben sich aus zwei Werten: Die erste Zahl entspricht der Bundweite in Inch (Zoll) und die zweite Zahl entspricht der Schrittlänge in Inch. Ein Inch sind 2,54cm.“

Eine Hose mit 44/34 hat demnach folgende Maße:

44 Zoll x 2,54 = 111,76 cm Bundweite

34 Zoll x 2,54 = 86,36 cm Schrittlänge/Hosenbeininnenlänge

Warum variieren die Größen bei den Herstellern?

Falsche Größe - iStock zwolafasola

Die Größe, die Ihnen beim einen Hersteller passt, muss beim anderen Hersteller nicht zwangsläufig auch passen. © iStock.com/zwolafasola

Tatsächlich gibt es keine gesetzlichen Vorgaben, welchen Maßen die Größenangaben entsprechen müssen. So weist Uwe Seeger darauf hin, dass die „Größeneinteilung immer dem Hersteller obliegt. In Deutschland halten sich diese aber weitgehend an die eingeführten Größensysteme und wenden sie auch an.“

 

Dass Klamotten manchmal dennoch nicht passen, liegt daran, dass „die Größen dennoch abhängig vom Modegrad und den verschiedenen Schnitten und Modellen variieren.“

Warum gibt es keine europäischen Einheitsgrößen?

In fast jedem Land in Europa werden die Größen anders berechnet. So gilt als grobe Richtlinie, dass italienische Größen um drei Werte höher ausfallen als die deutschen. Sie müssen daher in Italien auf die deutsche Größe die Zahl 6 addieren.

Eine genaue Umrechnung ist jedoch nicht möglich, weil die von den Herstellern angenommenen Verhältnisse der einzelnen Körpermaße zueinander in Südeuropa anders sind als in Deutschland. So gehen die Hersteller bei gleichem Brustumfang in Italien von schmaleren Hüften und einer kleineren Körpergröße aus.

Die verschiedenen Größen kommen in den einzelnen Ländern auch noch dadurch zustande, dass die Abstände zwischen den verschiedenen Größen, die sogenannten Sprungwerte, unterschiedlich ausfallen. In Spanien und Italien sind diese kleiner als in Deutschland, wo beispielsweise erst nach vier Zentimetern die nächste Größe beginnt.

EU iStock artJazz

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, die Konfektionsgrößen anzugleichen – ein schwieriges Unterfangen: Seit 1994 wird daran gearbeitet © iStock.com/artJazz

Bereits seit 1994 arbeitet das europäische Komitee für Normung daran, die Konfektionsgrößen innerhalb der EU anzugleichen. So entstand die Norm EN 13402. So gibt es zwar inzwischen oft EU-Angaben in den Klamotten, aber alle Hersteller halten sich nicht daran. Denn verpflichtend ist die Norm nicht – und gerade die Modeländer Italien und Frankreich wehren sich. (Quelle)

Bis hier eine für alle Länder akzeptable Lösung gefunden wird, könnte noch einige Zeit vergehen – dazu beitragen sollen internationale Reihenvermessungen, die eine Vergleichbarkeit in Europa herstellen sollen.

Haben sich die Konfektionsgrößen in den letzten Jahren verändert?

Dicke Deutsche iStock Petmal

Die Deutschen sind in den letzten dreißig Jahren größer und schwerer geworden © iStock.com/Petmal

Vor einigen Jahren, 2007 und 2008, wurde in Deutschland eine groß angelegte Vermessungsaktion durchgeführt. Bei der Studie „Size Germany“ wurden knapp 13 400 Männer, Frauen und Kinder zwischen sechs und 87 Jahren in 3D-Körperscanner gestellt und genau vermessen. Mit den frischen Daten sollten die Maße der Konfektionsgrößen überarbeitet werden.

Die genauen Ergebnisse sind nicht öffentlich, sondern stehen nur den zahlenden Auftraggebern und Herstellern zur Verfügung. Klar ist, dass die Deutschen an Umfang und Größe zugelegt haben. Die deutschen Männer sind heute 3,2 cm größer als bei der letzten Messung vor 28 Jahren. Ihre Brust ist 7,3 cm breiter, in Taille und Hüfte sind sie 4,4 bzw. 3,6 cm breiter. (Quelle)

Detaillierte und repräsentative Messungen bei den Übergrößen zur Festlegung von Standardmaßen fehlen allerdings noch immer. Sie sind Aufgabe der Textilindustrie in den kommenden Jahren.

Uwe Seeger erklärt, dass „sich die Größen zwar nicht grundsätzlich verändert haben, aber die Formen und Modelle – auch im Übergrößen-Bereich. Das geschieht permanent und regelmäßig in der Modebranche.“

Gibt es einen Tipp für den Online-Einkauf?

Größenangaben sind Orientierungshilfen – die aber nicht sicherstellen, dass Ihnen das neue T-Shirt auch passt. Um den Online-Einkauf ohne nicht-passende Klamotten und Retouren zu gestalten, gibt es ein Hilfsmittel: Das Maßband.

Vermessung Brustumfang - iStock Gewitterkind

Um Ihre Konfektionsgröße zu wissen, müssen Sie Ihren Brustumfang messen – am besten unbekleidet, um ein genaues Ergebnis zu haben. © iStock.com/Gewitterkind

Vermessen Sie vorab Ihren Brustumfang. Bei Hemden ist Ihre Halsweite entscheidend. Achten Sie darauf, dass das Bandmaß locker waagerecht um den Körper geführt wird. Ziehen Sie es nicht zu straff und halten Sie auch nicht die Luft an.

Tipp: Das Maßband muss so sitzen wie später die Kleidung.

Bei normaler Größe teilen Sie das Messergebnis Ihres Brustumfangs durch zwei, bei untersetzten Größen durch vier. So können Sie Ihre Konfektionsgröße ermitteln. Aber auch die Bundweite und der Hüftumfang müssen vermessen werden, denn die Kleidung muss ja nicht nur an der Brust passen, sondern auch am Bauch und der Hüfte. Daher sollten Sie das Maßband auch an der umfangreichsten Stelle Ihres Bauchs anlegen, damit das Shirt auch sicher passt.

Vergleichen Sie dann die Werte mit unserer Übergrößen-Tabelle bzw. mit den angegebenen Maßen in den Artikeln. So stellen Sie sicher, dass Ihnen Ihr neues Kleidungsstück perfekt passt.

Titelbild: © iStock.com/Gewitterkind